NITI
Projektdaten
| Name: |
NITI:
IuK-Techniken im Fahrzeug zur Verkehrsbeeinflussung |
| Beteiligte: |
U.S. Department Of Transportation (DOT) / DOT ITS Joint Program Office,
FHWA Federal Highway Administration (FHWA), Federal Railroad
Administration (FRA), Federal Transit Administration (FTA) |
| Projektvolumen: |
135
Millionen $ |
| Projektlaufzeit: |
Januar
1996 bis 2005 (1. Stufe bis 1999) |
| Projektstatus: |
erste
Stufe abgeschlossen, erste Bewertungen liegen vor |
| Projekthomepage: |
http://scitech.dot.gov/partech/natint/nationalint.html
|
Ziele
Das System Straße ist, insbesondere im städtischen
Raum, von einer zunehmenden Belastung betroffen. Dies gilt auch für die
USA mit ihrer recht gut ausgebauten Straßeninfrastruktur. Die Folge
sind Staukosten, deren negativer volkswirtschaftlicher Einfluss
erheblich ist. Generell belastet die eingeschränkte Mobilität sowohl
im privaten als auch im öffentlichen Verkehr und Transport die
Produktivität und führt zu erhöhtem Energieverbrauch und
Emissionsausstoß bezogen auf den Transportkilometer.
Mit dem Programm „National Intelligent
Transportation Infrastructure (NITI)” soll ein gesamtheitliches
„System“ geschaffen werden, dass alle notwendigen Bestandteile aus
den Bereichen Elektronik, Kommunikationssysteme und Software integriert,
die zum Aufbau von (Mehrwert-)Diensten und Produkten für ein
Intelligentes Transport System (Intelligent Transportation System –
ITS) erforderlich sind. Mit NITI soll aber keine Sammlung bestehender
Technologien geschaffen werden, sondern eine Zusammenführung
stattfinden, in der alle Einzelsysteme aufgabenbezogen miteinander
arbeiten und kommunizieren. Das aufzubauende, übergeordnete Verkehrs-
und Transportsteuerungssystem soll dabei durch die Integration
verschiedener Transport- und Managementinformationssysteme intermodale
und rechtliche „Grenzen“ überwinden helfen.
Mit NITI sollen vor allem drei Hauptgruppen, die verschiedene Typen von
Benutzergruppen darstellen, angesprochen werden: Reisende in Ballungsräumen,
Frachtunternehmen und Reisende in ländlichen Gebieten. Durch die
Verschiedenartigkeit der Zielgruppen hinsichtlich der Art des Verkehrs
(Personen / Güter) und der durch den räumlichen Bezug gegebenen
Rahmenbedingungen soll ein repräsentativer Querschnitt für die in NITI
realisierten Teilsysteme geschaffen werden. Durch eine enge
Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Stellen und
privatwirtschaftlicher Industrie sollen sowohl volks- als auch betriebswirtschaftliche
Anforderungen und Bedürfnisse in dem Projekt NITI erfüllt werden.
Umsetzung
Die Kernpunkte bei der Umsetzung des
Gesamtprojektes waren folgende Ansätze und Strategien: Die Wirkung der
integrierten regionalen Reisemanagement- und Reiseinformationssysteme
soll exemplarisch, d. h. als Anschauungslösung, für vier Städte
erprobt und dargestellt werden: Seattle, Phoenix, San Antonio und New
York City.
In ähnlicher Weise sollen sieben
Anschauungsprojekte im Bereich des Güterverkehrs geschaffen werden: in
Kalifornien, in Kolorado, in Connecticut, in Kentucky, in Michigan, in
Minnesota und in Washington/Oregon. Die einzelnen ITS-Projekte werden
vom zentralen Gremium durch Unterstützung bei der Projektplanung, bei
der Beschaffung von Technologie und finanziell gefördert. Standards –
als wesentlicher Bestandteil für Interoperabilität und Integration
–, die im Rahmen des Projektes aufgebracht werden, werden – unter
Beachtung des Aspektes, dass sie staatenübergreifend gültig sein müssen
– beschleunigt verabschiedet (50 Standards allein im Jahr 1996).
Im Bereich der Unterstützung von Reisenden in
Ballungsräumen soll eine sogenannte „Metropolitan Intelligent
Transport Infrastructure“ aufgebaut werden, die die bestehenden bzw.
parallel im Aufbau befindlichen Systeme zur Verkehrssteuerung, zur
Information von Reisenden und für den ÖPNV integriert. Das Teilprojekt
„Metropolitan Intelligent Transport Infrastructure“ fokussierte sich
auf neun Technologieanwendungen, die umgesetzt wurden und werden. Dies
sind im Wesentlichen:
Verkehrszeichensteuersysteme, die das aktuelle
Verkehrsaufkommen auf der Straße überwachen und in Abhängigkeit davon
automatisch die Signalzeit anpassen, um Verkehrsstrom zu optimieren und
im Fluss zu halten. Autobahnmanagementsysteme steuern den Zufluss auf
die Autobahnen und erfassen und liefern Informationen zur Verkehrsdichte
und zu Störungen. Ereignismanagementprogramme erfassen sämtliche
verkehrsrelevanten Ereignisse wie Unfälle und leiten die Informationen
zielgerichtet an die entsprechenden Stellen weiter. Durch die Einführung
Elektronischer Abgabeerfassungssysteme sollen Abgaben (Straßenmaut) künftig
bequem und zuverlässig und ohne Eingriff in den Straßenverkehr
abgebucht werden können. Elektronische Systeme zur Preiserhebung sollen
im Rahmen von NITI vereinheitlicht werden: Parkgeld, Fahrpreise für
Busse und Bahnen und sonstige verkehrsbezogenen Gebühren sollen in den
Ballungsräumen künftig mit einer einzigen Smart Card erhoben werden können.
Im Bereich des innerstädtischen Bahnverkehrs werden die Triebwagen mit
Systemen ausgestattet, die Bahnübergänge, Signale und andere Züge im
Umfeld überwachen und den Zugführer im Gefahrenfall frühzeitig
warnen. Die letzte Anwendung in diesem Kontext sind regionale,
multimodale Reisendeninformationssysteme, die in Echtzeit Informationen
für Reisende, Geschäftsreisende und den Güterverkehr zusammentragen
und über verschiedene Medien zur Verfügung stellen.
Der Gegenstand des zweiten Teil-Hauptprojektes
(“Commercial Vehicle Information Systems and Networks“ (CVISN)) ist
die Integration von bestehenden, häufig unvereinbaren
Informationssystemen und Datenbanken, wie z. B. überordneten (Buchungs-)Systemen
zur Abwicklung von Fahrten im Güterverkehr oder Systemen zur
elektronischen Anbahnung und Abwicklung von Geschäften (Elektronische
Marktplätze, Frachtenbörsen). So sollen durch die Integration der
Systeme „unsichere“ Transporte, die beispielsweise gefährliche Güter
transportieren, frühzeitig und automatisch identifiziert werden können,
so dass der identifizierte Transporte durch mehrere amerikanische
Staaten laufen können, ohne dass immer wieder administrative oder
Sicherheitskontrollen notwendig sind und Unfälle mit Gefahrgut
rechtzeitig erkannt werden. Durch den Zusammenschluss von Systemen über
CVISN wird der Zeitaufwand und die Schreibarbeit verringert, die an der
Schnittstelle zwischen staatlichen Stellen und Logistik- und
Transportunternehmen mit der Ausstellung von Bescheinigungen sowie dem
Durchführen von Sicherheitskontrollen und anderen regelnden Maßnahmen
entstehen. An die Stelle der papiergebundenen Bescheinigungen treten
Elektronische Bescheinigungen, die einmalig beantragt und erworben
werden und dann für alle 50 amerikanischen Staaten gültig sind. Damit
wird die Effizienz der Abwicklung sowohl bei den staatlichen Stellen als
auch bei den Logistik- und Transportunternehmen gesteigert.
In der Umsetzung ist ein elektronisches
Clearing-System, dass an Überwachungsstellen entlang der Autobahnen und
an Grenzen eingesetzt werden soll und während der Fahrt die fahrzeug-
und transportbezogenen Informationen von Fahrzeugen, die diese Daten auf
einem Transponder mit sich führen, ausliest und zu überprüft. Als längerfristige
Realisierung sollen die Fahrzeuge mit Bordcomputern ausgestattet werden,
die – als ein geschlossenes System – den Fahrer, das Fahrzeug und
seine Funktionstüchtigkeit und die Ladung überwachen und bei gefährlichen
Situationen den Fahrer selbst, das Transportunternehmen und eventuell
zuständige Behörden informieren.
Der Bereich der Unterstützung von Reisenden in ländlichen
Gebieten wird durch die sogenannte „Rural ITS Infrastructure“
angegangen. Die Aufgaben liegen hier schwerpunktmäßig in der Erhöhung
der Sicherheit auf Landstraßen und in der Stärkung des öffentlichen
Personenverkehrs in ländlichen Gebieten durch entsprechende Systeme.
Ein Ansatz zur Erhöhung der Sicherheit, der implementiert wurde, sind
Notrufsysteme, die die Krankenwagen und Hilfsfahrzeuge zielgenau zur
Unfallstelle lenken. Bezüglich des ÖPNV wurde ein System realisiert,
dass die freie Anforderung und die Lokalisierung von Bussen für die
Nutzer ermöglicht. Damit konnten einerseits die Akzeptanz der Nutzer
gesteigert werden und andererseits die Auslastung erhöht und die Busse
effizienter eingesetzt werden. Generell zeigte sich eine direkte Anhängigkeit
zwischen dem verbesserten Zugriff auf Informationen zum öffentlichen
Personenverkehr und einer verbesserten Mobilität der Bewohner in
landwirtschaftlichen Gebieten und der Touristen, die in ländliche
Gebiete reisen.
Es werden derzeit folgende Anwendungen zur Förderung
von öffentlichen Personenverkehr in ländlichen Gebieten umgesetzt:
Frühwarnsicherheitssysteme alarmieren die Fahrer
der öffentlichen Verkehrsmittel automatisch über Gefahren und
Wetterverhältnisse auf ihrem Fahrweg. Notfallüberwachungssysteme
benachrichtigen automatisch Krankenwagen, Polizei oder Feuerwehr über
Zusammenstöße und andere Notfälle. Tourismus- und
Reiseinformationsdienste liefern Hilfestellung bei der Weg- und
Adressensuche. Sogenannte Mobilitätsdienste werden zur Verbesserung der
Leistungsfähigkeit der Verkehrssysteme und der Erreichbarkeit in den ländlichen
Gebieten aufgebaut. Infrastrukturmanagementsysteme zur effektiven
Instandhaltung von Landstraßen werden ebenfalls aufgebaut. Spezielle
Fuhrparkmanagementsysteme für den öffentlichen Verkehrträger in ländlichen Räumen mit
Funktionen wie Fahrplangestaltung, Routenplanung und Instandhaltung
werden entwickelt, um solche Flotten leistungsfähiger nutzen zu können.
Ergebnisse
Eine abschließende Beurteilung des Projektes NITI
ist auf Grund der Laufzeit und der Komplexität der einzelnen
Teilsysteme nicht möglich. Allerdings wird NITI viele interessante
Erfahrungen bezüglich der Verbindung staatlicher und
privatwirtschaftlicher Systeme und damit staatlicher und
privatwirtschaftlicher Interessen hervorbringen und Schwachstellen
aufzeigen, da diese Zusammenarbeit einer der wichtigen Wesenzüge des
Projektes ist. Im Gegensatz zum „Schwesterprojekt“ Intelligent
Vehicle Infrastructure (IVI), bei dem fahrzeugbasierte Anwendungen im
Vordergrund stehen, und das zu gleichen Teilen von privater Industrie
und staatlichen Stellen getragen wird, steht bei NITI allerdings die
staatliche Seite als Träger im Vordergrund.
Mit
der 1998 verabschiedeten “Transportation Equity Act for the 21st
Century” (TEA-21) besitzen die USA eine rechtsverbindliche Grundlage für
die Einrichtung von Telematiksystemen und –diensten, die staatenübergreifend
gültig ist.
Im
Einzelnen wurden mit den umgesetzten Systemen und Diensten folgende
Ziele (Stand 2000, bezogen auf Daten von 1996) erreicht:
-
Die
durchschnittliche Zeitverzögerung durch Staus etc. pro 1.000
(auf der Straße) gefahrenen Meilen wurde
um 12 Minuten auf 9 Stunden gesenkt
-
Die
Zahl der Todesfälle pro 100 Millionen gefahrenen Meilen sank
von 1,7 auf 1,6
-
Die
Zahl der Verletzten pro 100 Millionen gefahrenen Meilen sank
von 141 auf 128
-
Reduzierung der
Unfälle im schienengebundenen Verkehr von geschätzten 4 pro 1
Million Zug-Meilen (Bezugspunkt 1995) auf 3,32
-
Die Zahl der Todesfälle ging um 1,54 pro 1 Million gefahrener Zug-Meilen zurück
-
Die
Zahl der Unfälle an Bahnübergängen pro 1 Million
gefahrener Zug-Meilen sank von 2,85 (Bezugspunkt 1995) auf 2,28
|