Pick-Up-Point "Tower24"
Projektdaten
| Name: |
Tower24 |
| Beteiligte: |
Fraunhofer
Institut für Materialfluss und Logistik (D), SSI Schäfer Noell
(D) |
| Projektvolumen: |
k.A. |
| Projektlaufzeit: |
Ende
2000 – Anfang 2002 (Projektvorlauf, Planung)
Mai / Juni 2002 (Baubeginn der ersten Umsetzung) |
| Projektstatus: |
Beginn der Realisierung, vertraglicher Rahmen steht |
| Projekthomepage: |
http://www.tower24.de
|
Ziele
B2C-Lösungen
kranken derzeit häufig an den Kosten der dahinter liegenden Logistik.
Insbesondere die Belieferung des Kunden an sich, die sogenannte
„Letzte Meile“, ist für die ausführenden Logistikdienstleister
sehr kostenintensiv. Erschwerend hinzu kommen noch besondere,
B2C-typische Problemstellungen wie Mehrfachanfahrten oder ein hoher
Retourenanteil. Dezentrale Pick-Up-Stationen mit automatischen
Warentransfer-Systemen sind ein praktikabler Ansatz, um die
kostenintensiven Logistikprozesse im Endkundengeschäft zu vereinfachen
und die Problemfelder besser in den Griff zu bekommen. Damit könnte das
internet-basierte B2C-Geschäft aus Kostensicht attraktiver werden und
die Akzeptanz bei Kunden, Handel und Logistik-Dienstleistern erheblich
gesteigert werden. Mit dem „Tower 24“ soll nun das Konzept eines
automatischen Lagersystems, diesen Anforderungen genügt, in die Realität
umgesetzt werden.
Umsetzung
Der Tower 24,
der jetzt (geplanter Baubeginn Mai 2002) als erster für den operativen
Betrieb errichtet wird, ist ein Zylinder mit ca. vier Metern Durchmesser
und rund zehn Metern Gesamthöhe, von denen zwei Fünftel unterhalb der
Erdoberfläche liegen. Grundsätzlich sind aber Varianten dieser Bauform
denkbar. Innerhalb des Towers werden verschiedene Temperaturbereiche
eingerichtet. Einer, der in der geplanten Umsetzung Größte, mit
Normaltemperatur, ein sogenannter Frischebereich mit einer Temperatur
von zwei bis sieben Grad Celsius und ein Tiefenkühlbereich mit –18
Grad Celsius. Der Turm nutzt dabei das Volumen unterhalb der Erdoberfläche
für die Kühlbereiche, um die Betriebskosten durch die natürliche
Isolation gering zu halten. Die Kapazität des Turmes ist für bis zu
300 Standardbehälter mit 600 mal 400mm Grundfläche oder 600
doppelttief gelagerte kleinere Normbehälter mit den Maßen 300 mal
400mm ausgelegt. Die Standardbehälter können ein Gewicht von Ein
zentral angeordnetes Zweisäulen-Regalbediengerät (Zweisäulen-RBG),
ver- und entsorgt die ringförmig angeordneten Behälterplätze. Die
Schnittstelle des Turmes nach außen – zur Ein- und Auslagerung –
ist so konzipiert, dass Ein- und Auslagerung räumlich voneinander
getrennt sind und parallel erfolgen können.
Die
Kommunikation zwischen Lieferant und Kunden läuft IT-gestützt
vollkommen automatisch: der Kunde erhält, nachdem seine Sendung nach
der Identifikation eingelagert worden ist und Auftrags- und Kundendaten
an das zentrale System weiter geleitet worden sind, eine
Benachrichtigung per E-Mail oder SMS. In dieser wird ihm auch seine
sendungsspezifische Transaktionsnummer mitgeteilt, mit der er sich in
Verbindung mit der EC-Karte gegenüber dem Tower 24 identifizieren kann.
Weitere Mechanismen zur Identifikation wie eine dauerhafte PIN des
Kunden, die Verifikation der Transaktionsnummer in Verbindung mit der
EC-Karte oder eine kundenspezifische, z. B. stadtweit oder regional
gültige Smart-Card sind grundsätzlich problemlos beim Tower 24
vorsehbar. Sämtliche Vorgänge an der Ein- bzw.
Auslagerungsschnittstelle
des Tower 24 werden kameraüberwacht. Damit Nachnahmen oder
kostenpflichtige Lieferungen abgerechnet werden können, besitzt das
Einbuchungsterminal die Möglichkeit zur Kartenzahlung.
Ergebnisse
Vor der Realisierungsplanung durchgeführte Studien
haben gezeigt, dass ein Pick-Up-Point-System wie der Tower 24 durch die
Bündelung der Warenströme in Kundennähe und die Minimierung der
Zustellzeiten zu deutlichen Kosteneinsparungen pro Warensendung. Der
Nutzwert des Systems ist also gegeben, wenn die gegenüberstehenden
Betriebskosten gering gehalten werden können. Dies ist beim Tower 24
gegeben. Personal vor Ort ist – außer gelegentlich zur Wartung –
nicht erforderlich, so dass problemlos eine 24-Stunden-Verfügbarkeit
bereitgestellt werden kann. Der Wartungsaufwand an sich ist ebenfalls
gering, da 90% der anfallenden Reinigungsarbeiten automatisch vom System
vorgenommen werden können. Damit ist nur selten ein Eingriff von außen
notwendig.
Auch für den Logistik-Dienstleister ist das System
zeitoptimal, da die Einlagerungszeit pro Paket ca. zehn bis dreißig
Sekunden dauert – deutlich weniger als der übliche Zeitaufwand beim
Kunden – und er direkt bis an den Turm heranfahren kann. Weiterer
Vorteil für den Logistik-Dienstleister ist, dass er mit der Einlagerung
in den Turm seine Dienstleistung abgeschlossen hat und nur noch einmal für
den Auftraggeber, den Lieferanten der Ware, in Aktion treten muss, wenn
die Ware nicht abgeholt oder – wieder über den Tower 24 – zurückgegeben
worden ist.
Mit
welcher räumlichen Dichte sich Pick-Up-Point-Systeme wie der Tower 24
etablieren können, ist derzeit noch nicht mit Sicherheit abzuschätzen.
Die Notwendigkeit zur Reduzierung der Logistikkosten als Voraussetzung für
ein E-Commerce, das für viele Produkte tragfähig ist, auf jeden Fall
zwingend.
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